The Robben Ford Blues Band (USA)
Uhrzeit: 20.00 Uhr Ort: Stadttheater Ratingen Datum: Donnerstag, 16.10.08 Eintritt: 18,-- / erm. 15,-- / zzgl. VVKG
 Robben Ford, voc. / guit. Travis Carlton, bass Toss Panos , dr ROBBEN FORD"Every day more and more/ I’ve got peace on my mind" aus "Peace on My Mind" "Der Blues ist eine lebendige, atmende Kunstform", erklärt Robben Ford, der sich mit diesem Musikstil seit seiner Jugend beschäftigt. "Und er war schon immer sozialpolitisch."
Was er damit meint, zeigt der 56jährige Musiker, der bereits viermal für einen Grammy nominiert wurde, vom Fachblatt Musician zu den "100 größten Gitarristen des 20. Jahrhunderts" gerechnet wird und im Laufe seiner langen Karriere mit Stars wie Joni Mitchell, George Harrison, Miles Davis, Greg Allman, Phil Lesh und Larry Carlton zusammengearbeitet hat, auf seinem dritten Concord-Album "Truth". "Auf diesem Album trete ich für Dinge ein, an die ich glaube. Dabei benutze ich die Sprache des Blues, allerdings in einem modernen, evolutionären Kontext", führt Robben Ford aus. Beispiele dafür sind etwa "Lateral Climb" oder "Peace On My Mind", zwei Songs, in denen er sich aus einer sehr persönlichen Perspektive mit Themen wie der stockenden Wirtschaft und dem Irakkrieg auseinandersetzt.
Reichlich prominent sind auch Fords musikalische Gäste auf "Truth": die Sängerin Susan Tedeschi (in Paul Simon’s “One Man’s Ceiling is Another Man’s Floor”) und Siedah Garrett (Background vocals in "You’re Gonna Need a Friend" und "River of Soul"), den Keyboarder Bernie Worrell, und Schlagzeuger/Bassist Charley Drayton, beide von Keith Richards’ Expensive Winos. Einige der Songs des neuen Albums schrieb Ford mit berühmten Kollegen: Bei "Riley B. King" arbeitete er mit Keb Mo zusammen, bei "How Deep In The Blues (Do You Want To Go)?" mit Gary Nicholson und bei "River Of Soul" mit Danny Flowers, zwei Nashville-Songwritern. "You're Gonna Need A Friend" schrieb Robben gemeinsam mit seiner Frau Anne Kerry Ford, und "Too Much" mit seinem Neffen Gabriel Ford. "Zu den Songs, die ich für dieses Album geschrieben habe, wurde ich durch aktuelle Geschehnisse inspiriert", sagt Ford. "Ich habe einmal ein Lied von Willie Dixon gecovert - ''It Don't Make Sense, You Can't Make Peace' -, das dieser zur Zeit des Vietnamkriegs geschrieben hatte, aber dessen Aussage auch heute noch Gültigkeit hat." Fords Song "Lateral Climb" ist typisch für seine Herangehensweise. In dem Lied geht es um zeitgenössische Probleme wie die grassierende Kreditkartenverschuldung und die Tretmühlen des Arbeitsalltages.
"Ich spreche da aus eigener Erfahrung", meint der Gitarrist lachend. "Heute verdiene ich sehr viel mehr als früher und obwohl ich mich von all meinen Kreditkarten verabschiedet habe, scheint das keinen großen Unterschied zu machen. Ich denke, das ist ein sehr zeitgemäßer Blues, in den sich viele Menschen hineinversetzen können." Der Song "Peace On My Mind" charakterisiert den amerikanischen Zeitgeist nach dem 11. September 2001 und ist so aktuell wie die heutigen Schlagzeilen. Mit Zeilen wie "Who can make sense/Of problems in a distant land" und "When fire meets fire/You burn away the common ground" schuf Ford seine Version eines zeitgenössischen Protestliedes.
"Es ist ein Antikriegssong, aber nicht zu predigerhaft", meint der Autor. "Wenn man den moralischen Zeigefinger erhebt, hört einem keiner zu. Das Lied ist eher ein Zeitporträt als eine Moralpredigt. Die Wahrheiten, die ich beschreibe, sind ganz offensichtlich." Ford versucht auch einige Blues-Klischees zu unterminieren und ihnen eine neue Bedeutung zu verleihen, so etwa dem Klischee vom bösen Weib, das seinem Opfer das Leben zur Hölle macht. Den Song "You're Gonna Need A Friend", der von diesem Thema handelt, hat er ironischerweise gemeinsam mit seiner Frau geschrieben. Und auch in "There'll Never Be Another You" greift er das Thema wieder auf und fragt: "Will she poison my coffee/Sweeten my tea?"
"Im Blues gibt es sehr viele Wiederholungen, so dass schon die subtilste Veränderung einen großen Unterschied ausmachen kann", meint Ford. "Diese kleinen Änderungen lassen alles in einem völlig anderem Licht erscheinen." In dem Stück "Riley B. King" zollt Robben Ford einem seiner größten Vorbilder Tribut: dem mittlerweile 82jährigen B.B. King, den Ford zum ersten Mal live in der alten Fillmore Konzerthalle in San Francisco erlebte, als B.B. King für einen von Fords anderen Lieblingsgitarristen, Mike Bloomfields Electric Flag, eröffnete . Nachdem er das Stück komponiert hatte, reichte er es an Keb Mo weiter, der den Chorus noch etwas bearbeitete und den Song dann 2004 mit Ford und Robert Cray für sein Album "Keep It Simple" aufnahm.
Mit zwei gecoverten Songs demonstriert Robben Ford außerdem noch seine Liebe zum Rhythm'n'Blues aus dem Süden der USA: Mit seiner sehr originalgetreuen Version von "Nobody's Fault But Mine" verbeugt sich der Gitarrist vor Otis Redding, die sehr funky geratene und im Duett mit Susan Tedeschi vorgetragene Interpretation von Paul Simons "One Man's Ceiling is Another Man's Floor" weckt Erinnerungen an die Muscle-Shoals-Rhythmusgruppe der Originalaufnahme.
"Ich dachte mir, daß ich aus diesem Stück noch einiges herausholen könnte", meint Ford zu dem Paul-Simon-Song. "Susan hat sich wirklich die Seele aus dem Leib gesungen. Da ich das Lied nicht geschrieben habe, war es für uns beide leichter, unser eigenes Ding durchzuziehen." Ford bleibt bei seiner Präferenz für rauen live Sound, wie zum Beispiel beim aufreibenden “Too Much”, in dem Larry Goldings die markante Hammond B3 Orgel spielt. Er ändert aber auch durchaus die stilistische Richtung, so in dem bedächtigen “River of Soul” und “Moonchild Blues”, einem auf einer Zeile eines Howlin’ Wolf Songs basierenden Lied.
"All meine Songs entstehen aus dem Blues", bekennt der Gitarrist. "Es gefällt mir einfach in diesem klassischen Stil zu spielen und ihn so lebendig zu erhalten. Ich fühle mich der Bluestradition zugehörig, statt voellig alleine Lieder aus dem Nichts zu erschaffen. Es ist eine Schande, daß viele Leute den Blues für etwas Überkommenes halten. Der Blues ist ziemlich universell und auf 'Truth' habe ich ihm nur einen neuen Akzent verpaßt."
Obwohl er von Kollegen, Musikkritikern und Fans vor allem für seine einzigartigen Gitarrenkünste bewundert wird, legt Robben Ford Wert auf die Feststellung, daß es für die positive Entwicklung seiner Karriere genauso wichtig war, Songs zu schreiben. Liebhaber seines exzellenten Gitarrenspiels werden natürlich auch an den Aufnahmen von "Truth" ihre helle Freude haben. Aber wichtiger waren dem singenden Gitarristen dennoch die Geschichten, die er auf diesem Album erzählt.
"Ich möchte, dass meine Musik etwas aussagt, fasst Ford zusammen. Ich erfinde einen neuen Kontext für meine Musik … und das gibt meinem Spiel Sinn."
Ford speaks the Truth … nicht nur mit dem Sound seiner Gitarre, sondern auch mit seiner musikalischen Vision. |